Zweite Etappe
Nach der eher oftbegangenen Route der ersten Etappe nahmen wir die zweite Etappe von Landmannalaugar nach Nyidalur in Angriff. Die Route führt via Sigalda und Versalir nach Nyidalur.

 

 

7. Tag: Mittwoch 23.7.2003 (Landmannalaugar – See bei Sigalda)

 

Da wir uns heute eine grössere Tagesstrecke vorgenommen hatten, standen wir relativ früh auf heute, nämlich kurz nach 6 Uhr. Mit der ganzen Verpackungszeremonie der neuen Lebensmittel waren wir nach dem Frühstück trotzdem erst um halb 10 abmarschbereit.

 

ImageDas Wetter war immer noch gleich wie in den letzten Tagen. Es nieselte und es blies ein recht kalter Wind. Wir hüllten uns in GoreTex und waren froh, dass wir die kleinen Bäche überqueren konnten ohne die Schuhe ausziehen zu müssen. Schon bald waren wir wieder ganz für uns alleine und nur noch einige Geländefahrzeuge erinnerten daran, dass es hier noch andere Leute gab. Wie erwartet änderte sich das Landschaftsbild komplett. Die Hügel wurden flacher, das Gelände weiter und der Boden sandiger. Grün sah man praktisch keines mehr, nur noch schwarzer Sand und Steine. Wir wanderten nun nicht mehr auf einem ausgewiesenen Wanderweg, sondern auf der einzigen Piste, die durch diesen Landstrich führt, und welche auch von den selten vorbeifahrenden Fahrzeugen benutzt wurde. Doch ausgerechnet während einer Pinkelpause musste der Hochlandbus vorbeifahren.

 

 

Da wir uns offenbar sehr gut erholt hatten an unserem Ruhetag, waren wir sehr flott unterwegs. Trotz Regen, Wind und dem maximalen Traggewicht legten wir die ersten 19 km des Tages in drei Stunden zurück! Wir machten dann Mittagsrast bei einem Fluss, welcher eigentlich unser Tagesziel war. Aufgrund des sich bessernden Wetters und unserer guten körperlichen Verfassung beschlossen wir dann noch bis zum Stausee bei Sigalda weiterzuwandern. Mittlerweile waren wir nicht mehr so schnell unterwegs, denn es machten sich langsam wieder Beschwerden bemerkbar. Dazu gehörten zum ersten Mal auch Blasen an den Füssen, von denen wir bisher noch verschont wurden. Nachdem wir wieder unfreiwillig ein halbes Pack gedörrte Aprikosen denn Trollen geopfert hatten begann die Strasse langsam anzusteigen. Unterschiedliche Vorstellung bei der kurzfristigen Routenwahl und die sich immer stärker bemerkbar machenden Schmerzen liessen die Stimmung in der Gruppe für kurze Zeit etwas sinken; wir waren halt am Anschlag.

 

 

ImageDas legte sich aber bald wieder, als wir unseren Rastplatz direkt am See entdeckten. Es ist sowieso erstaunlich, dass wir immer nach kurzer Suche einen hervorragenden Platz zum Zelten gefunden hatten. Wir kämpften uns noch eine Geröllhalde hinunter und konnten dann unsere Rucksäcke für heute endgültig ablegen. Der Platz war mit trockenem Moos gepolstert und in der Nähe befand sich ein alter Bauwagen, welcher auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Zuallererst gönnten wir uns ein grösseres Nickerchen im Zelt.

 

 

ImageDanach bereiteten wir ein Gourmet-Menu zu: Wir assen die in Landmannalaugar erstandene geräucherte Forelle zusammen mit Safranrisotto, welches wir als Abwechslung zu Pasta von zuhause mitgenommen haben. Anschliessend verdrückten wir wie üblich die Trekking-Mahlzeiten aus dem Beutel, heute war Rindfleisch Stroganoff mit Reis an der Reihe. Zum Dessert gab es dann noch Vanillecreme mit Kirsch. So konnten wir unsere leeren Energiespeicher wieder füllen. Leider hatte es kein fliessendes Wasser. So mussten wir wohl oder übel Wasser aus dem See nehmen, was uns nicht ganz geheuer war. Deswegen füllten wir beide Wassersäcke mit Seewasser und versetzten sie mit Micropur-Forte Tabletten, um das Wasser zu entkeimen. Dummerweise hatte das Wasser danach einen leichten Chlorgeschmack, da man, wie wir aber erst zu Hause merkten, zu den Micropur-Forte Tabletten anschliessend noch ein Anti-Chlor-Mittel zugeben muss, welches die Chlorionen bindet. Den Chlorgeschmack konnten wir zumindest in der Vanillecreme mit einem guten Schuss Kirsch verdrängen.

 

 

ImageZur Abendunterhaltung diente das Taschenradio von Balz, mit welchem wir an diesem Ort drei isländische Sender ziemlich gut empfangen konnten. Es war ein ganz spezielles Gefühl, hier mitten in der Einsamkeit zu sitzen, über den See zu blicken, den Himmel zu beobachten und dazu Musik zu hören. Sogar Simon konnte sich in Anbetracht dieser besonderen Szenerie dazu überwinden, bei Phil Collins oder Celine Dion nicht gleich das Radio im See zu versenken, im Gegenteil. Er liess sich sogar dazu verleiten, eine kleine Gymnastiklektion zu leiten! Aerobic mit Musik mitten in Island! Ein weiteres Highlight unserer Reise, und ein guter Abschluss dieses sehr anstrengenden Tages.

 

 

8. Tag: Donnerstag 24.7.2003 (Sigalda – Zufluss zur Kaldakvisl)

 

Nach den gestrigen Anstrengungen planten wir heute eine etwas kürzere Etappe. Wir errechneten auf der Karte eine Distanz von etwas 15 km. Am Morgen liessen wir uns viel Zeit mit Frühstücken, Zelte abbauen, packen, sowie mit der Pflege unserer geschundenen Füsse, Schultern, Knie, etc. Schon bald nach dem Abmarsch erreichten wir eine kleine Brücke bei welcher ein Wegweiser stand, der in Richtung Sprengisandur zeigte, und den wir natürlich fotografieren mussten.

 

ImageWir folgten der Strasse F26, welche ständig auf und ab führte. Der Strassenzustand war für Autos hervorragend, für uns Wanderer allerdings war das harte Pflaster nicht ideal. Während einem Kilometer war die Piste sogar asphaltiert, da es sich um einen Zubringer zum Kraftwerk handelte. Zum Glück war das der einzige asphaltierte Abschnitt der F26! Das Wetter war wieder sehr wechselhaft. Beim ersten Regenguss rüsteten wir uns mit den Regenkleidern aus, doch schon bald hörte es wieder auf.

 

 

Da wir aber weitere Schauer erwarteten behielten wir unsere Regenkleider an, öffneten aber alle möglichen Lüftungen und Reissverschlüsse. Beim nächsten Regen mussten wir so nur noch die Reissverschlüsse schliessen, ohne den Rucksack abzulegen und ohne gross eine Pause einzulegen. Diese Methode bewährte sich und wir wanderten fortan bei unsicherem Wetter immer in den Regenklamotten, welche ausserdem auch einen guten Windschutz bieten. Bei einer Barackensiedlung mitten im nirgendwo tankten wir unsere Flaschen wieder mit sauberem Wasser aus einem Bach.

 

 

ImageDanach folgten wir weiter der F26, welche hier immer noch relativ gut ausgebaut war. Gegen Mittag begann es dann richtig fest zu regnen und es hörte nicht so schnell wieder auf. Nach der n-ten Steigung konnten wir im nächsten Tal den Þorisvatn-Stausee erkennen.

 

 

ImageAls wir beim See ankamen beschlossen wir trotz immer noch starkem Regen etwas zu essen. Büchsenthunfisch mit Crackern, sowie ein Schlückchen Kirsch hoben unsere Stimmung wieder. Trotzdem war es relativ unangenehm das Essen im strömenden Regen einzunehmen. Beim Vergleich zwischen GPS und Karte gab es grössere Differenzen bei der zurückgelegten Distanz. Gemäss GPS waren wir weniger weit gekommen als geplant. Deshalb schauten wir die Karte noch einmal genau an, und merkten, dass der auf der Karte aufgedruckte Distanzen-Massstab falsch war. Die Nachkalkulation zeigte, dass unsere heutige Tagesetappe auch wieder etwas mehr als 20 km lang war.

 

 

ImageIm Laufe des Nachmittages liess der Regen wieder nach. Unsere Route führte immer noch durch eine sehr karge Landschaft, die hauptsächlich aus Schwarz- und Grautönen bestand. Ausserhalb des Einzugsgebietes des Kraftwerks wurde die Strasse wieder zu einer Piste, was uns ein wenig entgegenkam. Gegen Ende der Etappe kämpfte jeder nur noch mit sich selber, vor allem gegen die körperlichen Beschwerden. Felix bekämpfte seine starken Schmerzen in Rücken und Schultern mit Schmerztabletten, und auch wir andern mussten ziemlich auf die Zähne beissen. Da wir uns nun in der Wüste befanden, waren Wasserstellen eher dünn gesät. Deshalb planten wir unsere Tagesetappen auch so, dass wir immer bei einem Bach unser Zelt aufstellen konnten. Das hiess aber auch, dass wir die Etappe nicht einfach verkürzen konnten. So mühten wir uns weiter ab und erreichten gegen Abend einen Zufluss zur Kaldakvisl direkt an der F26. Wir verliessen die Strasse und fanden einen sehr schön gelegenen Zeltplatz der vor allem aus feinem schwarzem Sand bestand, dank des Baches aber auch ein wenig begrünt war.

 

 

ImageWie immer wenn das Zelt stand fühlten wir uns auch hier schon bald sehr heimisch. Nach dem Kochen und Essen gönnten wir uns ein sehr erfrischendes Bad im Bach, was Körper und Seele sehr gut tat. Nicht schlecht gestaunt haben wohl die Insassen eines Geländefahrzeuges, welche gerade vorbeifuhren als sich Felix am waschen war. Bei einer kleineren Entdeckungstour im Umkreis des Zeltplatzes fühlten wir uns wiedermal wie die ersten Menschen, welche jemals diesen Ort betreten haben. Mit diesem guten Gefühl krochen wir müde in unsere Schlafsäcke.

 

 

9. Tag: Freitag 25.7.2003 (Zufluss Kaldakvisl – nach der Rechtskurve)

 

 ImageDie Nacht war ziemlich regnerisch. Das Geprassel aufs Zelt weckte Jürg und Simon um halb 4 und erinnerte daran, dass die Blase ziemlich drückte. Wohl oder übel mussten sie also ihre Regenklamotten überziehen, die Schuhe montieren und nach draussen gehen.

 

 

Es war schon (oder immer noch) relativ hell draussen um diese Zeit, und das spezielle Licht liess die Landschaft ganz anders aussehen als am Abend. Um halb acht war dann Tagwache und es regnete immer noch. Doch mittlerweile haben wir das Lagerleben so gut im Griff, dass uns das nichts mehr anhaben kann. Sogar der Zelt Auf- und Abbau bei Regen und Wind ist kein Problem.

 

 

ImageSo kurz vor zehn Uhr waren wir dann wieder auf der F26 unterwegs und es gab eigentlich wenig besonderes zu vermelden. Die Piste war schnurgerade aber doch recht hügelig. Der Regen liess bald nach und dank dem starken Wind war schon bald alles wieder trocken. Unser Marschtempo wurde nun von unseren Gebrechen bestimmt, war aber trotz allem immer noch relativ hoch und wir kamen gut voran. Es hatte für isländische Verhältnisse ziemlich viel Verkehr diesen Morgen; wir kreuzten ungefähr fünf Busse und ebenso viele Geländefahrzeuge.

 

 

ImageKurz nach Mittag erreichten wir den Waypoint 33, wo die Piste eine Linkskurve beschreibt und kurz danach machten wir Rast bei einem ziemlich stehenden Gewässer direkt bei der Rechtskurve, welche später Kultstatus erreichte. Wir assen Pasta in einer kräftigen Bouillon mit Bami-Goreng Gewürz, was uns allen sehr gut tat. Nur beim Wasser hatten wir kein gutes Gefühl, da es doch eher abgestanden schmeckte. Zu unserer grossen Freude erblickten wir das erste Mal seit Tagen wiedermal ein Stückchen blauer Himmel! Dank dem starken Wind hatte die Wolkendecke immer grössere blaue Lücken und das Sonnenlicht tauchte die Wüste in ein ganz faszinierendes neues Licht; sie schien nun eher bräunlich statt schwarz. Diese neue Szenerie beflügelte uns, und liess uns die Schmerzen fast vergessen, ausserdem war die Temperatur ideal zum Wandern, weswegen man kaum zum Schwitzen kam.

 

 

Einzig Simon und Balz hatten wohl aufgrund des schlechten Wassers bei der Mittagsrast etwas Magenprobleme. Ungefähr zwei Stunden nach der Rechtskurve, bei welcher wir einen grossen Motivationsschub tanken konnten, erreichten wir das nächste Gewässer, welches wir als Tagesziel bestimmt hatten.

 

 

ImageDas Gewässer sieht zwar aus wie ein Fluss, hat aber praktisch keine Strömung. Das einzig mühsame war der wirklich recht starke Wind, welcher unsere Zelte ziemlich zum flattern anregt. Leider gibt es weit und breit keinen natürlichen Windschutz, sodass wir auf dieser steinigen Ebene ziemlich exponiert sind. Zur Sicherheit belegten wir die Heringe mit Steinen um ungemütliche Überraschungen zu vermeiden. Das Panorama an diesem Ort ist aber hervorragend! In der Ferne ist ein Teil des Vatnajökull sichtbar, welcher ständig von der Sonne beschienen wurde. Dazwischen waren aber auch die typischen Regenvorhänge zu sehen, welche zum Teil in unsere Richtung wanderten. Zum Kochen bauten wir aus Steinplatten einen Windschutz. Der kalte Wind liess uns aber das Essen nicht so geniessen, wie wir das sonst jeweils konnten. Das war auch der Grund weshalb wir uns heute schon relativ früh in die Zelte verzogen, nämlich schon um 21 Uhr.

 

 

10. Tag: Samstag 26.7.2003 (nach der Rechtskurve – Furt der Svartà)

 

Auch diese Nacht trafen sich Felix, Jürg und Simon um halb 4 zur allgemeinen Blasenentleerung draussen vor dem Zelt; schon fast ein gesellschaftliches Event mitten in der Nacht. Dabei konnten sie feststellen, dass der Wind schon sehr abgeflaut hatte.

 

Als wir aufstanden war schönstes Wetter. Nach dem Zeltabbau vermissten Jürg und Simon einen Zelthering, den sie auch nach langem Suchen nicht fanden. Zum Anfang des Etappe machten wir ein kleines Navigationsexperiment.

 

 

ImageDa die Piste einen grossen Umweg machte, beschlossen wir querfeldein abzukürzen. Dazu peilte Balz mit dem GPS die Station Versalir an. Wir durchquerten eine Feuchtlandschaft, wo es einige Bäche und Sumpflöcher zu umgehen galt. Schliesslich kämpften wir uns einen sandigen Hügel hoch, wo wir ständig einsanken was sehr anstrengend war. Wir erreichten die Piste ziemlich genau bei Versalir, wo wir uns einen Kaffe und evtl. sogar etwas Süsses erhofften. Einige brachen sogar kurz das Thema Bier ins Spiel… Jedenfalls freuten wir uns wiedermal auf ein bisschen Zivilisation.

 

 

ImageAber als wir ankamen gab es eine grosse Enttäuschung; das Gasthaus Versalir ist nicht mehr in Betrieb, da es zuwenig oft frequentiert wurde. So mussten wir halt mit unserem Expeditionsfood vorlieb nehmen. Auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus stand ein Campervan mit zwei Touristen, die uns genauso beobachteten wie wir sie. Diese stellten sich dann später als illegale Fischer heraus, die bei der nahen Brücke ihre Angeln auswarfen. Die äusserliche Inspektion der beiden Baracken von Versalir zeigte, dass eigentlich alles noch intakt war. Ein schöner Massenschlag mit sanitären Einrichtungen, sowie ein zweites Gebäude mit kleiner Küche. Eigentlich schade, dass an so einem verlassenen Ort eine solche Einrichtung nicht wenigstens als Notunterkunft benutzt werden kann.

 

 

ImageNach der Rast überquerten wir die Brücke und folgten der neuen Sprengisandur-Piste, welche immer noch als F26 auf der Karte verzeichnet ist. Auf dem Weg begegnetem wir einem Velofahrer, den wir zuerst auf Englisch grüssten, dann aber auf Deutsch weitersprachen, da er ein schweizer Velo hatte. Er war aus Deutschland und durchquerte die Sprengisandur von Norden her. Er startete diesen Morgen in Nyidalur und wollte noch bis Landmannalaugar fahren. Für diese Etappe planten wir zu Fuss ja doch 6 Tage ein. Aber in so kurzer Zeit kann man die Landschaft und das ganze rundherum nicht geniessen. Unser Velokollege hatte offenbar schon lange keine Menschenseele mehr getroffen, denn sein Mitteilungsbedürfnis war recht gross.

 

 

ImageNach diesem längeren Unterbruch erklommen wir einen grösseren Hügel, wo wir eine prächtige Aussicht in alle Himmelsrichtungen hatten. Hinter uns befanden sich kamelhöckerartige Hügel mit einem tiefblauen See im Vordergrund und dem Vatnajökull im Hintergrund. Vor uns befand sich eine riesige breite Ebene, die mit kleineren und grösseren Bächen durchzogen war, welche vom dahinterliegenden Hofsjökull gespeist werden. Dazu schien die Sonne in einem stahlblauen Himmel und es blies ein kräftiger Wind von Norden, welcher etwas unangenehm war. Der Weg verlief nun vorerst auf dieser Anhöhe, bis er schliesslich gegen Ende unserer Tagesstrecke langsam wieder in die Talebene führte.

 

 

ImageBeim Fluss Svartà hielten wir an und fanden nach kurzer Zeit einen fast perfekten Platz zum Zelten! Schön eben, direkt am Fluss gelegen und umgeben von kleinen Hügeln, die uns vor dem Wind schützten. In der schönen Abendstimmung ergaben sich einige wunderschöne Photomotive, die problemlos für die Hilleberg-Werbung genutzt werden könnten. Das schöne Wetter brachte uns dazu, wieder einmal die Kleider zu waschen, welche anschliessend in der Abendsonne relativ bald trockneten. Balz versuchte mit dem gemieteten Nordic Mobile Telephone ein Lebenszeichen in die Heimat zu geben, doch aus irgendwelchen noch unerfindlichen Gründen funktionierte das Teil hier nicht, was uns etwas zu denken gab, denn schliesslich wären wir doch im Notfall darauf angewiesen und gerade billig war es auch nicht. Jürg liess sich von den beiden Fischern in Versalir heute Mittag inspirieren und machte seine rudimentäre Angelausrüstung (Silch, Haken und Schwimmer, keine Rute) parat, obwohl wir gar nicht sicher waren, ob es in diesem Flüsschen überhaupt Fische gab. Ausserdem hatten wir gelesen, dass man normalerweise in Island ein Anglerpatent lösen muss. Diesbezüglich mussten wir allerdings kein schlechtes Gewissen haben, denn Jürg fing nichts. Darum mussten wir wie üblich auf unsere Trekking-Mahlzeiten zurückgreifen, welche uns aber dank den sieben oder acht verschiedenen Sorten recht nie verleidete.

 

 

Nach dem Essen genossen wir die letzten Sonnenstrahlen draussen vor dem Zelt, schrieben Tagebuch und lasen den obligaten „Calvin of the day“ (Calvin and Hobbes –Comic). Später frischte dann der Wind wieder etwas auf, was uns dann doch dazu bewog, uns in die Zelte zu verziehen. Wenn morgen nicht eine so strenge Etappe auf dem Plan stehen würde, hätten wir die ganze Nacht aufbleiben können um das fantastische Lichtspiel und die grandiose Landschaft zu bestaunen.

 

 

11. Tag: Sonntag 27.7.2003 (Furt der Svartà – 7 km nach Punkt 37)

 

ImageAn diesem Morgen wurden wir von der Sonne geweckt! Das Zelt wurde durch die Strahlung so aufgeheizt, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war; eine neue Erfahrung in Island!

 

Balz und Felix nahmen in ihrem morgendlichen Übermut ein schnelles Bad im kalten Bach. Nach dem üblichen Frühstück ging es dann weiter in Richtung Nyidalur, wo wir gemäss Planung morgen eintreffen sollten. So langsam haben sich bei allen die Schmerzen wieder so stark gelegt, dass sie uns nicht mehr gross einschränkten. Deshalb konnten wir heute wieder ein ziemlich flottes Marschtempo einschlagen. Landschaftlich änderte sich nicht viel. Auf der linken Seite war immer schön der Hofsjökull zu sehen, rechts waren Hügel, und in der Ferne sah man, wie die Ebene in eine hügelige Landschaft überging, worin einige markante Berge erkennbar waren. Aufgrund der Karte konnten wir schon ungefähr erahnen, wo sich Nyidalur befindet.

 

 

ImageGegen Mittag gönnten wir uns eine längere Rast in einem ausgetrockneten Flussbett, direkt in einer Kurve der F26. Gemäss GPS hatten wir schon mehr als die Hälfte der geplanten Tagesstrecke absolviert, was wiedereinmal sehr motivierend war. Der ausgetrocknete Fluss beunruhigte uns allerdings ein wenig. Diese Region war gemäss Karte sowieso schon einer der trockensten Abschnitte entlang der Sprengisandur-Piste; Flüsse und Bäche waren dünn gesät. Und wenn diese wenigen Wasserstellen dann auch noch ausgetrocknet sind, dann müssten wir wohl grössere Umwege in Kauf nehmen, oder das Wasser aus den Trinkflaschen stark rationieren.

 

 

Wir wanderten weiter in Richtung unseres Tagesziels, dem vorher definierten Punkt 37, bei welchem der nächste Bach die Piste kreuzt. Das schöne Wetter und die relativ flache Strecke beflügelten uns, und wir fanden sogar noch genügend Reserven um relativ hochstehende Diskussionen zu führen. Nach gut zwei Stunden erreichten wir das geplante Tagesziel. Leider entpuppte sich der au der Karte eingezeichnete Fluss als ein stehendes Rinnsal. Wir waren sehr enttäuscht und fragten einen zufällig vorbeifahrenden Holländer, ob auf den nächsten Kilometern irgendwo Wasser vorhanden sei. Der wusste dies aber nicht, da er sich nicht darauf geachtet hatte. Dies brachte uns wieder einmal zur Überzeugung, dass wir durch das Wandern alles viel intensiver erlebten, als beispielsweise Auto- oder Bustouristen.

 

 

ImageNach einer kurzen Beratung und Kartenstudium beschlossen wir bis zum nächsten eingezeichneten Fluss weiterzugehen, welcher ungefähr sieben Kilometer entfernt war. Somit hatten wir die für morgen geplante Hammeretappe um einen Tag vorverschoben. Wir waren nicht mehr so gesprächig wie noch vorhin und dementsprechend war jeder mit sich selbst am kämpfen. Die Gedanken kreisten um die noch zu absolvierende Strecke, den immer schwerer werdenden Rucksack auf den Schultern, um die langsam wieder schmerzenden Glieder, und teilweise wurde fast jeder einzelne Schritt hinterfragt. Die darausfolgende Erkenntnis war, dass es sich diskutierend viel einfacher wandern lässt, da man sich so vom ständigen inneren Kampf etwas ablenken kann.

 

 

ImageMit müden Beinen erreichten wir dann doch noch das neue Ziel, welches wir schon von weitem als grüner Einschnitt in der Landschaft erkennen konnten. Zuerst mussten wir allerdings noch eine recht steile Geröllhalde hintersteigen, damit wir einen ebenen Lagerplatz direkt am Bach suchen konnten. Ein weiteres Mal fanden wir einen wunderschönen Platz, welcher mit leuchtgrünem Moos ausgekleidet war, und von der Piste aus nicht einsehbar war. Hier bot sich sogar noch eine Wellness-Möglichkeit; Barfuss im feuchten Moos umherzugehen ist wirklich sehr entspannend! Balz versuchte noch einmal eine Verbindung mit der Heimat herzustellen, und diesmal klappte es dann auch. Man musste bei diesem Telefon zuerst eine Ländereinstellung vornehmen, und gestern war das Gerät auf Dänemark eingestellt gewesen, weshalb es nicht funktionierte.

 

 

Als Belohnung für diese anstrengende Etappe gab es zum Dessert eine doppelte Portion Vanillecreme mit Studentenfutter. Am Abend begann es dann auf einmal zu nieseln, weshalb wir uns dann bald in die Zelte zurückzogen. Morgen werden wir Nyidalur erreichen, das Ziel unserer zweiten grossen Etappe, und Übermorgen werden wir dort einen Ruhetag einlegen. Mit diesen guten Aussichten schliefen wir bald ein.

 

 

12. Tag: Montag 28.7.2003 (7 km nach Punkt 37 – Nyidalur)

 

 

Nach einer relativ unruhigen Nacht, in welcher zum Teil heftige Windböen unser Zelt durchgeschüttelt hatten, standen Jürg und Simon (wie immer) als erste auf, um das Frühstück vorzubereiten.

 

ImageErstaunlicherweise wurden sie von einigen Sonnenstrahlen begrüsst, doch im Hintergrund bereiteten sich schon dunkle Regenwolken auf ihren Einsatz vor. Bei einem ersten Rundgang ums Lager zeigte sich, dass beim Zelt von Felix und Balz der mittlere Bogen gebrochen war. Natürlich standen beide Zelte nicht exakt in Windrichtung, denn diese ändert ja ständig. Trotzdem ist es für uns ziemlich enttäuschend, dass diese so hochgepriesenen und vor allem hochbezahlten Qualitätszelte von Hilleberg jetzt schon solche Probleme bereiten. Mit der Ersatzstange war dieser Schaden aber schnell behoben. Nicht beheben konnten wir den Schaden am Primus-Kocher, bei welchem eine Lötstelle versagte, welche eines der drei Beine befestigte. So stand der Kochtopf jeweils wahrlich auf wackligen Beinen beim Kochen.

 

 

Nach dieser unerfreulichen Angelegenheit frühstückten wir, und zwar ausnahmsweise M-Budget Birchermüesli mit gedörrten Apfelstücken. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen und wir konnten noch einen beträchtlichen Teil davon den Trollen opfern. Wir brachen um 1015 auf. Bevor wir die Piste erreichten mussten wir zuerst wieder die Geröllhalde hinaufklettern, was relativ mühsam war. Danach hatten wir eine herrliche Aussicht über das Hochland und zu den Gletschern in der Ferne. Ausserdem konnten wir vor uns bereits den Hügelzug ausmachen, an dessen Fusse sich gemäss Karte Nyidalur befinden musste. Die Regenwolken hatten uns bald erreicht und so hiess es wieder einmal in Vollmontur zu wandern. Auffallend war, dass viele der auf der Karte eingezeichneten Bäche und Flüsse kein Wasser führten, was uns in anbetracht der folgenden Tagesetappen etwas beunruhigte. Doch im Moment war nur das Etappenziel Nyidalur wichtig für uns, und vor allem der bevorstehende Ruhetag vermochte uns noch einmal mächtig zu motivieren.

 

 

ImageDas GPS-Gerät bestätigte unser flottes Marschtempo, und schon bald einmal erreichten wir die Stelle, wo der alte Sprengisandur-Weg wieder in die Piste F26 mündet. Kurze Zeit später erblickten wir das Flugfeld von Nyidalur, welches allerdings nur aus einem Windsack und einer rudimentären Pistenmarkierung besteht. Obwohl es nur noch wenige Kilometer bis zur Hütte waren, beschlossen wir bei einem grösseren Bach eine Mittagsrast einzulegen, da sich aufgrund des hohen Tempos wieder einige Knochen und Gelenke schmerzhaft bemerkbar machten. Wir beobachteten den Hochlandbus beim durchqueren der Furt, und genossen wieder einmal die bewundernden Blicke (zumindest bildeten wir uns diese ein) der Fahrgäste.

 

 

Nachdem wir die Furt durchquert hatten drückten Balz und Felix ziemlich aufs Tempo. Dieses Phänomen konnte man schon während der letzten paar Tagen beobachten. Kaum war das Tagesziel einigermassen in der Nähe bekamen die beiden Jungs einen Lagerdrang und gingen ab. Jürg und Simon verlassen sich eher auf die Devise „Konstanz ist die Mutter des Durchhaltens“.

 

 

ImageAls die beiden Hütten von Nyidalur in Sichtweite kamen, waren wir positiv überrascht: mitten in der grauschwarzen Wüste eine grüne Fläche mit zwei rotbedachten Hütten dazwischen. Als wir ankamen wurden wir mit einem kräftigen Regenguss begrüsse, welcher uns vorerst mal in den Eingang der Hütte trieb. Dort trafen wir auf drei Velofahrer aus der Schweiz und Deutschland, welche über ihre Routenwahl nicht ganz einig waren, und deswegen ziemlich aneinander gerieten. Der eine wollte wegen Schmerzen eine Pause einlegen, die andern wollten unbedingt sofort weiterfahren zur Askja. Als der eine dann von den andern als Weichei und Sissi bezeichnet wurde spitzte sich die Lage zu. Wir hielten uns raus und begannen mit dem Hüttenwart-Ehepaar zu plaudern. Die Velofahrer machten sich dann tatsächlich zu dritt auf den Weg, und wir waren froh, dass wir mögliche Streitpunkte unter uns schon vor der Tour ausführlich besprochen hatten, und so bisher noch nie wirklich Streit miteinander hatten.

 

 

ImageWir bezahlten gleich den Zeltplatz für zwei Tage und fragten auch gleich nach unseren Fresspaketen. Wie schon fast erwartet hatte es auch dieses mal geklappt; die beiden Pakete waren wohlbehalten angekommen. Jürg zeigte den Hüttenwärtern auch seine geschwollenen Hände, worauf er eine Kortison-Salbe aus der Hausapotheke bekam! Danach bauten wir schnell das Zelt auf und genossen die mittlerweile wieder hervorscheinende Sonne. Die aufziehenden schwarzen Wolken im Hintergrund boten wieder einmal einen atemberaubenden Anblick.

 

 

ImageAm Ende des Zeltplatzes war eine Zeltstadt bestehend aus lauter weissen Zelten aufgebaut, was irgendwie nicht so ganz hierher passte. Später lernten wir den Chef dieses Camps kennen, Heiko aus Deutschland, welcher die alle drei Tage eintreffenden Viking-Reisen Touristen betreut. Am späten Nachmittag benützten wir dann die noch leere zweite Hütte um ein wenig Karten zu spielen und um in der wärme ein wenig zu dösen. Später traf dann eine einheimische Reisegruppe mit dem Bus ein, welche sofort die Küche in Beschlag nahm. Als wir ihr Essen sahen, verzogen wir uns freiwillig, denn einige von ihnen hatten Schafskopf ausgepackt. Als wir kurz vor unseren Zelten herumlungerten kam Heiko und bot uns an, in einem Kochzelt der Zeltstadt zu kochen, denn heute waren keine Touristen da. Dankend nahmen wir an, denn draussen war es ziemlich windig und etwas ungemütlich. Dafür war es im Kochzelt umso friedlicher: man konnte aufrecht stehen, und der vorhandene Gasbrenner heizte ganz schön ein. Es ergab sich ein interessantes Gespräch mit Heiko über Trekking-Ausrüstungen (immer wieder ein Lieblingsthema von uns), Musik, unsere Wanderung, Whiskey, seine Touristen und vieles mehr. Umrahmt war das ganze von Tee und Kaffee und Vanillecrème mit richtiger Milch, dazu noch Musik aus Heikos Walkman mit Miniboxen. Für uns war das alles Luxus pur nach zwei Wochen Wildnis. Später kam die Hüttenwartin vorbei und schickte Jürg zu einem Arzt, der zufälligerweise bei der isländischen Reisegruppe dabei war. Der schaute sich Jürgs Hand an und diagnostizierte eine relativ harmlose Kontaktallergie. Wir waren sehr erleichtert, dass wir nun wussten, was mit Jürgs Händen los ist, und dass wir unsere Tour nicht deswegen vorzeitig abbrechen mussten. Wir machten dann noch eine kleine Verdauungswanderung durch die Flusslandschaft und bewunderten die Lichtspiele des letzten Sonnenlichts. Später verzogen wir uns hundemüde in die Zelte und freuten uns aufs ausschlafen morgen.

 

 

13. Tag: Dienstag 29.7.2003 (Ruhetag in Nyidalur)

 

Während der wiederum ziemlich stürmischen Nacht trafen wir uns um halb vier wie so üblich um die Blase zu entleeren. Eine eigenartige Beleuchtung lag über der Landschaft, doch die Müdigkeit und die Kälte liessen uns zurück in den Schlafsack verkriechen.

 

Am Morgen wurde es auf einmal ziemlich warm im Zelt, denn die Sonne liess sich wieder einmal blicken. Wir pennten und dösten dann weiter friedlich vor uns hin, bis wir am späten Vormittag einmal aufstanden. Jürg und Simon brachten die anderen beiden Jungs mit Mühe dazu, doch auch einmal das Frühstück vorzubereiten. Allerdings konnten sie das heute unter erleichterten Bedingungen tun, denn wir durften freundlicherweise die Hütte zum Kochen benutzen, was sehr angenehm war. Nachher entpackten wir die zwei Pakete mit dem Lebensmittelnachschub. Da die folgende Etappe die längste sein wird, sammelte sich ein ziemlich grosser Haufen Food an, welchen wir zuerst Ordnen und anschliessend auf die vier Rucksäcke aufteilen mussten. Bei diesen Mengen werden morgen wohl alle vier Rucksäcke randvoll gefüllt sein und ausserdem wieder ziemlich schwer. Bei einigen Sachen hatten wir uns verrechnet. Wir haben zum Beispiel zuviel Salz mitgenommen, dann auch zuviel Benzin und zuviel Tee. Zum Glück aber mangelte es uns an nichts. Wir schenkten den Hüttenbetreuern unsere überschüssige Waren, und entbehrten sogar noch eine Tafel Schokolade, welche wir dem kleinen Sohn der Hüttenwarte schenkten. Aber schliesslich hatten sie auch einiges für uns getan und waren zudem auch sehr freundlich.

 

Nach der Verteilaktion planten wir die verbleibenden Tagesstrecken. Wir wollen die Etappe in sieben Tagen bewältigen, wobei wir pro Tag zwischen 15 und 25 Kilometer zurücklegen werden. Da wir es ja schon bis hierher geschafft hatten, sind wir jetzt überzeugt, dass wir die ganze geplante Route erwandern werden. Anschliessend überkam uns die Waschwut. Alle wuschen die Socken und Unterwäsche, die sie grad nicht anhatten. Dummerweise merkten wir nachher, dass die feuchten Kleider nicht wirklich trockneten in der kühlen und feuchten Hütte. Aber wir hatten ja Zeit und hofften, dass die angekündigte Reisegruppe noch lange nicht eintreffen und uns aus der Hütte jagen würde. Wir spielten eine Runde Scrabble, welches die Überraschung von Simon war. Später traf dann die Reisegruppe ein und wir mussten die Hütte räumen. Glücklicherweise durften wir die feuchten Kleider in der anderen Hütte aufhängen, und mussten sie nicht mit ins Zelt nehmen, wo sie niemals getrocknet wären. Abends trafen wir Heiko wieder, der uns den Vorschlag machte, ein Fondue zu kochen, da wir doch Schweizer seien, und er noch viel Käse im Vorrat hätte. Alle waren begeistert, nur Simon, der mit Käse nicht sehr viel anfangen kann, hielt sich etwas zurück. Vorher verspeisten wir noch die vegetarische Soja-Bolognese Trekking-Mahlzeit als Zmittag um 18 Uhr. Heiko stellte uns dann die ganze Küche der Viking-Tours Zeltstadt zur Verfügung, denn er meinte, es würde sowieso immer gut gerechnet mit den Lebensmitteln, und ausserdem esse er ja sowieso von diesen Dingen. Balz, Felix und Jürg bastelten dann mit den vorhandenen Mitteln ein recht anständiges Käsefondue zusammen. Da musste einiges improvisiert werden. Zum Beispiel diente eine Vitamin-Zitronen-Brausetablette als Säure anstelle von Wein und Zitronensaft. Als Knoblauchersatz wurde ein mit Knoblauch versetzter Streichkäse verwendet und die eigentliche Käsemasse bestand aus geschmolzenem Gaudakäse. Es war ein weiteres Highlight unserer Expedition; ein Käsefondue mitten im Niemandsland von Island! Da musste auch Simon zugreifen und er fand es nicht einmal so schlecht. Wir spendierten noch von unserem Kirsch und tranken dazu Tee, der wiederum von Vikinger-Reisen gesponsert war. Beim Verdauungsspaziergang trafen wir auf zwei deutsche Motorradtouristen, welche ihr Zelt ursprünglich auf der freien Wiese aufgestellt hatten, mittlerweile aber von einer Reisegruppe mit Zelten umzingelt wurden, und dementsprechend sauer waren. Einige der Reisegruppe hatten uns anscheinend schon einmal vom Bus aus wandern gesehen, und sie waren ganz erstaunt, als wir von unserer Tour erzählten. Später bestand Heiko darauf, auch noch ein Schoggifondue zu machen. Auch hier mussten wir wieder improvisieren und verwendeten hauptsächlich eine Art Nutella, welches wir schmolzen, um darin Dosenfrüchte zu tunken. War eine etwas flüssige Angelegenheit, aber nur schon die Früchte waren mal wieder was besonderes für uns. Wir waren ziemlich ausgelassen ob diesem speziellen Abendessen und freuten uns am geheizten Zelt und an der Musik aus Heikos Walkman. Später konnten wir einen eindrücklichen Sonnenuntergang beobachten. Die untergehende Sonne beleuchtete die schwarzen Wolken, und es sah so aus, als ob der Himmel brennen würde. Nachdem Heiko noch einen vergeblichen Versuch machte, aus Moos Tee zu kochen, verzogen wir uns dann relativ spät in die Zelte. Das Thermometer bei der Hütte zeigte vier Grad Celsius an, es schien uns aber gar nicht so kühl, wahrscheinlich weil wir uns im Kochzelt so richtig aufheizen konnten. Es war schon halb ein Uhr nachts, als wir uns schlafen legten. Morgen geht’s wieder richtig los mit vollem Gepäck, aber dafür auch mit etwas erholten Körpern.