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Zweite Etappe PDF Drucken E-Mail

 

13. Tag: Dienstag 29.7.2003 (Ruhetag in Nyidalur)

 

Während der wiederum ziemlich stürmischen Nacht trafen wir uns um halb vier wie so üblich um die Blase zu entleeren. Eine eigenartige Beleuchtung lag über der Landschaft, doch die Müdigkeit und die Kälte liessen uns zurück in den Schlafsack verkriechen.

 

Am Morgen wurde es auf einmal ziemlich warm im Zelt, denn die Sonne liess sich wieder einmal blicken. Wir pennten und dösten dann weiter friedlich vor uns hin, bis wir am späten Vormittag einmal aufstanden. Jürg und Simon brachten die anderen beiden Jungs mit Mühe dazu, doch auch einmal das Frühstück vorzubereiten. Allerdings konnten sie das heute unter erleichterten Bedingungen tun, denn wir durften freundlicherweise die Hütte zum Kochen benutzen, was sehr angenehm war. Nachher entpackten wir die zwei Pakete mit dem Lebensmittelnachschub. Da die folgende Etappe die längste sein wird, sammelte sich ein ziemlich grosser Haufen Food an, welchen wir zuerst Ordnen und anschliessend auf die vier Rucksäcke aufteilen mussten. Bei diesen Mengen werden morgen wohl alle vier Rucksäcke randvoll gefüllt sein und ausserdem wieder ziemlich schwer. Bei einigen Sachen hatten wir uns verrechnet. Wir haben zum Beispiel zuviel Salz mitgenommen, dann auch zuviel Benzin und zuviel Tee. Zum Glück aber mangelte es uns an nichts. Wir schenkten den Hüttenbetreuern unsere überschüssige Waren, und entbehrten sogar noch eine Tafel Schokolade, welche wir dem kleinen Sohn der Hüttenwarte schenkten. Aber schliesslich hatten sie auch einiges für uns getan und waren zudem auch sehr freundlich.

 

Nach der Verteilaktion planten wir die verbleibenden Tagesstrecken. Wir wollen die Etappe in sieben Tagen bewältigen, wobei wir pro Tag zwischen 15 und 25 Kilometer zurücklegen werden. Da wir es ja schon bis hierher geschafft hatten, sind wir jetzt überzeugt, dass wir die ganze geplante Route erwandern werden. Anschliessend überkam uns die Waschwut. Alle wuschen die Socken und Unterwäsche, die sie grad nicht anhatten. Dummerweise merkten wir nachher, dass die feuchten Kleider nicht wirklich trockneten in der kühlen und feuchten Hütte. Aber wir hatten ja Zeit und hofften, dass die angekündigte Reisegruppe noch lange nicht eintreffen und uns aus der Hütte jagen würde. Wir spielten eine Runde Scrabble, welches die Überraschung von Simon war. Später traf dann die Reisegruppe ein und wir mussten die Hütte räumen. Glücklicherweise durften wir die feuchten Kleider in der anderen Hütte aufhängen, und mussten sie nicht mit ins Zelt nehmen, wo sie niemals getrocknet wären. Abends trafen wir Heiko wieder, der uns den Vorschlag machte, ein Fondue zu kochen, da wir doch Schweizer seien, und er noch viel Käse im Vorrat hätte. Alle waren begeistert, nur Simon, der mit Käse nicht sehr viel anfangen kann, hielt sich etwas zurück. Vorher verspeisten wir noch die vegetarische Soja-Bolognese Trekking-Mahlzeit als Zmittag um 18 Uhr. Heiko stellte uns dann die ganze Küche der Viking-Tours Zeltstadt zur Verfügung, denn er meinte, es würde sowieso immer gut gerechnet mit den Lebensmitteln, und ausserdem esse er ja sowieso von diesen Dingen. Balz, Felix und Jürg bastelten dann mit den vorhandenen Mitteln ein recht anständiges Käsefondue zusammen. Da musste einiges improvisiert werden. Zum Beispiel diente eine Vitamin-Zitronen-Brausetablette als Säure anstelle von Wein und Zitronensaft. Als Knoblauchersatz wurde ein mit Knoblauch versetzter Streichkäse verwendet und die eigentliche Käsemasse bestand aus geschmolzenem Gaudakäse. Es war ein weiteres Highlight unserer Expedition; ein Käsefondue mitten im Niemandsland von Island! Da musste auch Simon zugreifen und er fand es nicht einmal so schlecht. Wir spendierten noch von unserem Kirsch und tranken dazu Tee, der wiederum von Vikinger-Reisen gesponsert war. Beim Verdauungsspaziergang trafen wir auf zwei deutsche Motorradtouristen, welche ihr Zelt ursprünglich auf der freien Wiese aufgestellt hatten, mittlerweile aber von einer Reisegruppe mit Zelten umzingelt wurden, und dementsprechend sauer waren. Einige der Reisegruppe hatten uns anscheinend schon einmal vom Bus aus wandern gesehen, und sie waren ganz erstaunt, als wir von unserer Tour erzählten. Später bestand Heiko darauf, auch noch ein Schoggifondue zu machen. Auch hier mussten wir wieder improvisieren und verwendeten hauptsächlich eine Art Nutella, welches wir schmolzen, um darin Dosenfrüchte zu tunken. War eine etwas flüssige Angelegenheit, aber nur schon die Früchte waren mal wieder was besonderes für uns. Wir waren ziemlich ausgelassen ob diesem speziellen Abendessen und freuten uns am geheizten Zelt und an der Musik aus Heikos Walkman. Später konnten wir einen eindrücklichen Sonnenuntergang beobachten. Die untergehende Sonne beleuchtete die schwarzen Wolken, und es sah so aus, als ob der Himmel brennen würde. Nachdem Heiko noch einen vergeblichen Versuch machte, aus Moos Tee zu kochen, verzogen wir uns dann relativ spät in die Zelte. Das Thermometer bei der Hütte zeigte vier Grad Celsius an, es schien uns aber gar nicht so kühl, wahrscheinlich weil wir uns im Kochzelt so richtig aufheizen konnten. Es war schon halb ein Uhr nachts, als wir uns schlafen legten. Morgen geht’s wieder richtig los mit vollem Gepäck, aber dafür auch mit etwas erholten Körpern.

 



 
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