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Zweite Etappe PDF Drucken E-Mail

 

12. Tag: Montag 28.7.2003 (7 km nach Punkt 37 – Nyidalur)

 

 

Nach einer relativ unruhigen Nacht, in welcher zum Teil heftige Windböen unser Zelt durchgeschüttelt hatten, standen Jürg und Simon (wie immer) als erste auf, um das Frühstück vorzubereiten.

 

ImageErstaunlicherweise wurden sie von einigen Sonnenstrahlen begrüsst, doch im Hintergrund bereiteten sich schon dunkle Regenwolken auf ihren Einsatz vor. Bei einem ersten Rundgang ums Lager zeigte sich, dass beim Zelt von Felix und Balz der mittlere Bogen gebrochen war. Natürlich standen beide Zelte nicht exakt in Windrichtung, denn diese ändert ja ständig. Trotzdem ist es für uns ziemlich enttäuschend, dass diese so hochgepriesenen und vor allem hochbezahlten Qualitätszelte von Hilleberg jetzt schon solche Probleme bereiten. Mit der Ersatzstange war dieser Schaden aber schnell behoben. Nicht beheben konnten wir den Schaden am Primus-Kocher, bei welchem eine Lötstelle versagte, welche eines der drei Beine befestigte. So stand der Kochtopf jeweils wahrlich auf wackligen Beinen beim Kochen.

 

 

Nach dieser unerfreulichen Angelegenheit frühstückten wir, und zwar ausnahmsweise M-Budget Birchermüesli mit gedörrten Apfelstücken. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen und wir konnten noch einen beträchtlichen Teil davon den Trollen opfern. Wir brachen um 1015 auf. Bevor wir die Piste erreichten mussten wir zuerst wieder die Geröllhalde hinaufklettern, was relativ mühsam war. Danach hatten wir eine herrliche Aussicht über das Hochland und zu den Gletschern in der Ferne. Ausserdem konnten wir vor uns bereits den Hügelzug ausmachen, an dessen Fusse sich gemäss Karte Nyidalur befinden musste. Die Regenwolken hatten uns bald erreicht und so hiess es wieder einmal in Vollmontur zu wandern. Auffallend war, dass viele der auf der Karte eingezeichneten Bäche und Flüsse kein Wasser führten, was uns in anbetracht der folgenden Tagesetappen etwas beunruhigte. Doch im Moment war nur das Etappenziel Nyidalur wichtig für uns, und vor allem der bevorstehende Ruhetag vermochte uns noch einmal mächtig zu motivieren.

 

 

ImageDas GPS-Gerät bestätigte unser flottes Marschtempo, und schon bald einmal erreichten wir die Stelle, wo der alte Sprengisandur-Weg wieder in die Piste F26 mündet. Kurze Zeit später erblickten wir das Flugfeld von Nyidalur, welches allerdings nur aus einem Windsack und einer rudimentären Pistenmarkierung besteht. Obwohl es nur noch wenige Kilometer bis zur Hütte waren, beschlossen wir bei einem grösseren Bach eine Mittagsrast einzulegen, da sich aufgrund des hohen Tempos wieder einige Knochen und Gelenke schmerzhaft bemerkbar machten. Wir beobachteten den Hochlandbus beim durchqueren der Furt, und genossen wieder einmal die bewundernden Blicke (zumindest bildeten wir uns diese ein) der Fahrgäste.

 

 

Nachdem wir die Furt durchquert hatten drückten Balz und Felix ziemlich aufs Tempo. Dieses Phänomen konnte man schon während der letzten paar Tagen beobachten. Kaum war das Tagesziel einigermassen in der Nähe bekamen die beiden Jungs einen Lagerdrang und gingen ab. Jürg und Simon verlassen sich eher auf die Devise „Konstanz ist die Mutter des Durchhaltens“.

 

 

ImageAls die beiden Hütten von Nyidalur in Sichtweite kamen, waren wir positiv überrascht: mitten in der grauschwarzen Wüste eine grüne Fläche mit zwei rotbedachten Hütten dazwischen. Als wir ankamen wurden wir mit einem kräftigen Regenguss begrüsse, welcher uns vorerst mal in den Eingang der Hütte trieb. Dort trafen wir auf drei Velofahrer aus der Schweiz und Deutschland, welche über ihre Routenwahl nicht ganz einig waren, und deswegen ziemlich aneinander gerieten. Der eine wollte wegen Schmerzen eine Pause einlegen, die andern wollten unbedingt sofort weiterfahren zur Askja. Als der eine dann von den andern als Weichei und Sissi bezeichnet wurde spitzte sich die Lage zu. Wir hielten uns raus und begannen mit dem Hüttenwart-Ehepaar zu plaudern. Die Velofahrer machten sich dann tatsächlich zu dritt auf den Weg, und wir waren froh, dass wir mögliche Streitpunkte unter uns schon vor der Tour ausführlich besprochen hatten, und so bisher noch nie wirklich Streit miteinander hatten.

 

 

ImageWir bezahlten gleich den Zeltplatz für zwei Tage und fragten auch gleich nach unseren Fresspaketen. Wie schon fast erwartet hatte es auch dieses mal geklappt; die beiden Pakete waren wohlbehalten angekommen. Jürg zeigte den Hüttenwärtern auch seine geschwollenen Hände, worauf er eine Kortison-Salbe aus der Hausapotheke bekam! Danach bauten wir schnell das Zelt auf und genossen die mittlerweile wieder hervorscheinende Sonne. Die aufziehenden schwarzen Wolken im Hintergrund boten wieder einmal einen atemberaubenden Anblick.

 

 

ImageAm Ende des Zeltplatzes war eine Zeltstadt bestehend aus lauter weissen Zelten aufgebaut, was irgendwie nicht so ganz hierher passte. Später lernten wir den Chef dieses Camps kennen, Heiko aus Deutschland, welcher die alle drei Tage eintreffenden Viking-Reisen Touristen betreut. Am späten Nachmittag benützten wir dann die noch leere zweite Hütte um ein wenig Karten zu spielen und um in der wärme ein wenig zu dösen. Später traf dann eine einheimische Reisegruppe mit dem Bus ein, welche sofort die Küche in Beschlag nahm. Als wir ihr Essen sahen, verzogen wir uns freiwillig, denn einige von ihnen hatten Schafskopf ausgepackt. Als wir kurz vor unseren Zelten herumlungerten kam Heiko und bot uns an, in einem Kochzelt der Zeltstadt zu kochen, denn heute waren keine Touristen da. Dankend nahmen wir an, denn draussen war es ziemlich windig und etwas ungemütlich. Dafür war es im Kochzelt umso friedlicher: man konnte aufrecht stehen, und der vorhandene Gasbrenner heizte ganz schön ein. Es ergab sich ein interessantes Gespräch mit Heiko über Trekking-Ausrüstungen (immer wieder ein Lieblingsthema von uns), Musik, unsere Wanderung, Whiskey, seine Touristen und vieles mehr. Umrahmt war das ganze von Tee und Kaffee und Vanillecrème mit richtiger Milch, dazu noch Musik aus Heikos Walkman mit Miniboxen. Für uns war das alles Luxus pur nach zwei Wochen Wildnis. Später kam die Hüttenwartin vorbei und schickte Jürg zu einem Arzt, der zufälligerweise bei der isländischen Reisegruppe dabei war. Der schaute sich Jürgs Hand an und diagnostizierte eine relativ harmlose Kontaktallergie. Wir waren sehr erleichtert, dass wir nun wussten, was mit Jürgs Händen los ist, und dass wir unsere Tour nicht deswegen vorzeitig abbrechen mussten. Wir machten dann noch eine kleine Verdauungswanderung durch die Flusslandschaft und bewunderten die Lichtspiele des letzten Sonnenlichts. Später verzogen wir uns hundemüde in die Zelte und freuten uns aufs ausschlafen morgen.

 



 
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