Home arrow Island 2003 arrow Zweite Etappe
Zweite Etappe PDF Drucken E-Mail

 

11. Tag: Sonntag 27.7.2003 (Furt der Svartà – 7 km nach Punkt 37)

 

ImageAn diesem Morgen wurden wir von der Sonne geweckt! Das Zelt wurde durch die Strahlung so aufgeheizt, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war; eine neue Erfahrung in Island!

 

Balz und Felix nahmen in ihrem morgendlichen Übermut ein schnelles Bad im kalten Bach. Nach dem üblichen Frühstück ging es dann weiter in Richtung Nyidalur, wo wir gemäss Planung morgen eintreffen sollten. So langsam haben sich bei allen die Schmerzen wieder so stark gelegt, dass sie uns nicht mehr gross einschränkten. Deshalb konnten wir heute wieder ein ziemlich flottes Marschtempo einschlagen. Landschaftlich änderte sich nicht viel. Auf der linken Seite war immer schön der Hofsjökull zu sehen, rechts waren Hügel, und in der Ferne sah man, wie die Ebene in eine hügelige Landschaft überging, worin einige markante Berge erkennbar waren. Aufgrund der Karte konnten wir schon ungefähr erahnen, wo sich Nyidalur befindet.

 

 

ImageGegen Mittag gönnten wir uns eine längere Rast in einem ausgetrockneten Flussbett, direkt in einer Kurve der F26. Gemäss GPS hatten wir schon mehr als die Hälfte der geplanten Tagesstrecke absolviert, was wiedereinmal sehr motivierend war. Der ausgetrocknete Fluss beunruhigte uns allerdings ein wenig. Diese Region war gemäss Karte sowieso schon einer der trockensten Abschnitte entlang der Sprengisandur-Piste; Flüsse und Bäche waren dünn gesät. Und wenn diese wenigen Wasserstellen dann auch noch ausgetrocknet sind, dann müssten wir wohl grössere Umwege in Kauf nehmen, oder das Wasser aus den Trinkflaschen stark rationieren.

 

 

Wir wanderten weiter in Richtung unseres Tagesziels, dem vorher definierten Punkt 37, bei welchem der nächste Bach die Piste kreuzt. Das schöne Wetter und die relativ flache Strecke beflügelten uns, und wir fanden sogar noch genügend Reserven um relativ hochstehende Diskussionen zu führen. Nach gut zwei Stunden erreichten wir das geplante Tagesziel. Leider entpuppte sich der au der Karte eingezeichnete Fluss als ein stehendes Rinnsal. Wir waren sehr enttäuscht und fragten einen zufällig vorbeifahrenden Holländer, ob auf den nächsten Kilometern irgendwo Wasser vorhanden sei. Der wusste dies aber nicht, da er sich nicht darauf geachtet hatte. Dies brachte uns wieder einmal zur Überzeugung, dass wir durch das Wandern alles viel intensiver erlebten, als beispielsweise Auto- oder Bustouristen.

 

 

ImageNach einer kurzen Beratung und Kartenstudium beschlossen wir bis zum nächsten eingezeichneten Fluss weiterzugehen, welcher ungefähr sieben Kilometer entfernt war. Somit hatten wir die für morgen geplante Hammeretappe um einen Tag vorverschoben. Wir waren nicht mehr so gesprächig wie noch vorhin und dementsprechend war jeder mit sich selbst am kämpfen. Die Gedanken kreisten um die noch zu absolvierende Strecke, den immer schwerer werdenden Rucksack auf den Schultern, um die langsam wieder schmerzenden Glieder, und teilweise wurde fast jeder einzelne Schritt hinterfragt. Die darausfolgende Erkenntnis war, dass es sich diskutierend viel einfacher wandern lässt, da man sich so vom ständigen inneren Kampf etwas ablenken kann.

 

 

ImageMit müden Beinen erreichten wir dann doch noch das neue Ziel, welches wir schon von weitem als grüner Einschnitt in der Landschaft erkennen konnten. Zuerst mussten wir allerdings noch eine recht steile Geröllhalde hintersteigen, damit wir einen ebenen Lagerplatz direkt am Bach suchen konnten. Ein weiteres Mal fanden wir einen wunderschönen Platz, welcher mit leuchtgrünem Moos ausgekleidet war, und von der Piste aus nicht einsehbar war. Hier bot sich sogar noch eine Wellness-Möglichkeit; Barfuss im feuchten Moos umherzugehen ist wirklich sehr entspannend! Balz versuchte noch einmal eine Verbindung mit der Heimat herzustellen, und diesmal klappte es dann auch. Man musste bei diesem Telefon zuerst eine Ländereinstellung vornehmen, und gestern war das Gerät auf Dänemark eingestellt gewesen, weshalb es nicht funktionierte.

 

 

Als Belohnung für diese anstrengende Etappe gab es zum Dessert eine doppelte Portion Vanillecreme mit Studentenfutter. Am Abend begann es dann auf einmal zu nieseln, weshalb wir uns dann bald in die Zelte zurückzogen. Morgen werden wir Nyidalur erreichen, das Ziel unserer zweiten grossen Etappe, und Übermorgen werden wir dort einen Ruhetag einlegen. Mit diesen guten Aussichten schliefen wir bald ein.

 



 
< Zurück   Weiter >

spacer.png, 0 kB
spacer.png, 0 kB