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Zweite Etappe PDF Drucken E-Mail

 

10. Tag: Samstag 26.7.2003 (nach der Rechtskurve – Furt der Svartà)

 

Auch diese Nacht trafen sich Felix, Jürg und Simon um halb 4 zur allgemeinen Blasenentleerung draussen vor dem Zelt; schon fast ein gesellschaftliches Event mitten in der Nacht. Dabei konnten sie feststellen, dass der Wind schon sehr abgeflaut hatte.

 

Als wir aufstanden war schönstes Wetter. Nach dem Zeltabbau vermissten Jürg und Simon einen Zelthering, den sie auch nach langem Suchen nicht fanden. Zum Anfang des Etappe machten wir ein kleines Navigationsexperiment.

 

 

ImageDa die Piste einen grossen Umweg machte, beschlossen wir querfeldein abzukürzen. Dazu peilte Balz mit dem GPS die Station Versalir an. Wir durchquerten eine Feuchtlandschaft, wo es einige Bäche und Sumpflöcher zu umgehen galt. Schliesslich kämpften wir uns einen sandigen Hügel hoch, wo wir ständig einsanken was sehr anstrengend war. Wir erreichten die Piste ziemlich genau bei Versalir, wo wir uns einen Kaffe und evtl. sogar etwas Süsses erhofften. Einige brachen sogar kurz das Thema Bier ins Spiel… Jedenfalls freuten wir uns wiedermal auf ein bisschen Zivilisation.

 

 

ImageAber als wir ankamen gab es eine grosse Enttäuschung; das Gasthaus Versalir ist nicht mehr in Betrieb, da es zuwenig oft frequentiert wurde. So mussten wir halt mit unserem Expeditionsfood vorlieb nehmen. Auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus stand ein Campervan mit zwei Touristen, die uns genauso beobachteten wie wir sie. Diese stellten sich dann später als illegale Fischer heraus, die bei der nahen Brücke ihre Angeln auswarfen. Die äusserliche Inspektion der beiden Baracken von Versalir zeigte, dass eigentlich alles noch intakt war. Ein schöner Massenschlag mit sanitären Einrichtungen, sowie ein zweites Gebäude mit kleiner Küche. Eigentlich schade, dass an so einem verlassenen Ort eine solche Einrichtung nicht wenigstens als Notunterkunft benutzt werden kann.

 

 

ImageNach der Rast überquerten wir die Brücke und folgten der neuen Sprengisandur-Piste, welche immer noch als F26 auf der Karte verzeichnet ist. Auf dem Weg begegnetem wir einem Velofahrer, den wir zuerst auf Englisch grüssten, dann aber auf Deutsch weitersprachen, da er ein schweizer Velo hatte. Er war aus Deutschland und durchquerte die Sprengisandur von Norden her. Er startete diesen Morgen in Nyidalur und wollte noch bis Landmannalaugar fahren. Für diese Etappe planten wir zu Fuss ja doch 6 Tage ein. Aber in so kurzer Zeit kann man die Landschaft und das ganze rundherum nicht geniessen. Unser Velokollege hatte offenbar schon lange keine Menschenseele mehr getroffen, denn sein Mitteilungsbedürfnis war recht gross.

 

 

ImageNach diesem längeren Unterbruch erklommen wir einen grösseren Hügel, wo wir eine prächtige Aussicht in alle Himmelsrichtungen hatten. Hinter uns befanden sich kamelhöckerartige Hügel mit einem tiefblauen See im Vordergrund und dem Vatnajökull im Hintergrund. Vor uns befand sich eine riesige breite Ebene, die mit kleineren und grösseren Bächen durchzogen war, welche vom dahinterliegenden Hofsjökull gespeist werden. Dazu schien die Sonne in einem stahlblauen Himmel und es blies ein kräftiger Wind von Norden, welcher etwas unangenehm war. Der Weg verlief nun vorerst auf dieser Anhöhe, bis er schliesslich gegen Ende unserer Tagesstrecke langsam wieder in die Talebene führte.

 

 

ImageBeim Fluss Svartà hielten wir an und fanden nach kurzer Zeit einen fast perfekten Platz zum Zelten! Schön eben, direkt am Fluss gelegen und umgeben von kleinen Hügeln, die uns vor dem Wind schützten. In der schönen Abendstimmung ergaben sich einige wunderschöne Photomotive, die problemlos für die Hilleberg-Werbung genutzt werden könnten. Das schöne Wetter brachte uns dazu, wieder einmal die Kleider zu waschen, welche anschliessend in der Abendsonne relativ bald trockneten. Balz versuchte mit dem gemieteten Nordic Mobile Telephone ein Lebenszeichen in die Heimat zu geben, doch aus irgendwelchen noch unerfindlichen Gründen funktionierte das Teil hier nicht, was uns etwas zu denken gab, denn schliesslich wären wir doch im Notfall darauf angewiesen und gerade billig war es auch nicht. Jürg liess sich von den beiden Fischern in Versalir heute Mittag inspirieren und machte seine rudimentäre Angelausrüstung (Silch, Haken und Schwimmer, keine Rute) parat, obwohl wir gar nicht sicher waren, ob es in diesem Flüsschen überhaupt Fische gab. Ausserdem hatten wir gelesen, dass man normalerweise in Island ein Anglerpatent lösen muss. Diesbezüglich mussten wir allerdings kein schlechtes Gewissen haben, denn Jürg fing nichts. Darum mussten wir wie üblich auf unsere Trekking-Mahlzeiten zurückgreifen, welche uns aber dank den sieben oder acht verschiedenen Sorten recht nie verleidete.

 

 

Nach dem Essen genossen wir die letzten Sonnenstrahlen draussen vor dem Zelt, schrieben Tagebuch und lasen den obligaten „Calvin of the day“ (Calvin and Hobbes –Comic). Später frischte dann der Wind wieder etwas auf, was uns dann doch dazu bewog, uns in die Zelte zu verziehen. Wenn morgen nicht eine so strenge Etappe auf dem Plan stehen würde, hätten wir die ganze Nacht aufbleiben können um das fantastische Lichtspiel und die grandiose Landschaft zu bestaunen.

 



 
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